Was ein Abbruch der Lehre für dich bedeutet

Die Ausbildung macht dir nach einiger Zeit keinen Spaß mehr? Dann stellt sich die Frage: Trotzdem durchziehen oder aufhören? Diese Entscheidung will gut überlegt sein. Und keinesfalls solltest du sie ganz allein treffen.

Ein Durchhänger im Laufe der Ausbildung kann schon mal vorkommen. Meistens wird es nach einigen Wochen besser. Manchmal kann es aber sinnvoll sein, einen Schlussstrich zu ziehen. Doch wie nur lässt sich das entscheiden – und wie kann es danach weitergehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie oft werden Ausbildungen vorzeitig abgebrochen?
Auf den ersten Blick erscheinen die Zahlen hoch: Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) lag die Vertragslösungsquote im Jahr 2022 bei rund 26 Prozent. Mehr als ein Viertel der laufenden Ausbildungsverträge wurde also vorzeitig gelöst. „Doch das bedeutet nicht automatisch, dass damit auch die Berufsausbildung abgebrochen wird“, erklärt Thomas Bettels, Leiter der Ausbildungsberatung bei der Handwerkskammer Hamburg.

In vielen Fällen wurde ein neuer Vertrag in einem anderen Betrieb oder Ausbildungsberuf geschlossen. Auch organisatorische Gründe können hinter einer Vertragslösung stecken: zum Beispiel eine Betriebsübernahme. Auswirkungen auf die Statistik hat die Tatsache, dass es derzeit mehr Ausbildungsplätze als Bewerber gibt: „Zu wechseln ist dadurch einfacher geworden“, sagt Bettels. Tatsächlich ohne Berufsabschluss bleiben seinen Angaben zufolge rund zwölf Prozent der Azubis.

Welche Gründe spielen eine Rolle?
Zu Beginn der Ausbildung geht es meistens um die Berufsentscheidung: „Man stellt fest, dass die Ausbildung doch nicht so gut zu einem passt“, sagt Bettels. Manchmal trifft die jungen Azubis auch der Praxisschock: „Viele erleben eine Konfrontation mit ihren Erwartungen und müssen erst in die neue Situation hineinfinden“, weiß Astrid Kloos, die das Projekt zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen (VerA) beim bundesweit tätigen Senior Experten Service (SES) leitet. Dieser bringt junge Menschen, die Schwierigkeiten in ihrer Ausbildung haben, mit ehrenamtlich
tätigen Fachleuten im Ruhestand zusammen. Neben Zweifeln an der Berufswahl spielten aber oft auch andere Gründe eine Rolle: beispielsweise Probleme im Betrieb oder der Berufsschule. Auch gesundheitliche oder familiäre Motive können hinter einem Abbruch der Ausbildung stecken.

Wie kann eine Entscheidung getroffen werden?
Gehen oder bleiben? „Diese Frage ist oft nicht so leicht zu beantworten – insbesondere, wenn man schon einige Zeit in der Ausbildung verbracht hat“, sagt Bettels. Nicht nur fürs Bleiben, sondern auch fürs Gehen kann es gute Gründe geben: zum Beispiel, wenn der Betrieb seine Lehrlinge nicht gut ausbildet oder es persönliche Differenzen mit den Vorgesetzten gibt. Bettels empfiehlt Auszubildenden in solchen Fällen, sich möglichst frühzeitig Unterstützung zu holen. Diese bekommt man beispielsweise in den Ausbildungsberatungen der Handwerkskammern
und IHKs. „Beraten wird unabhängig und vertraulich“, macht Bettels deutlich. Der Ausbilder wird nur hinzugezogen, wenn der Azubi damit einverstanden ist.

Wie es dann konkret weitergeht, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. „Wir haben einen ganzen Instrumentenkasten an Unterstützungsmöglichkeiten“, sagt Bettels. Dazu gehört unter anderem die Kooperation mit der Initiative VerA, an die sich Ratsuchende auch direkt wenden können. 12.500 sogenannte „Senior-Experten“ gehören zum Netzwerk der Initiative, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. „In der Regel können wir kurzfristig einen Tandem-Partner vermitteln“, berichtet Kloos.

Azubi und Mentor treffen sich dann regelmäßig – falls notwendig, auch mehrmals in der Woche. „Die Mentoren sind anders als die Eltern nicht persönlich beteiligt – und können deshalb oft ganz anders zuhören und unterstützen“, erläutert Kloos. Ziel sei es dabei nicht, um jeden Preis die Ausbildung fortzusetzen, in der sich der Jugendliche gerade so unwohl fühlt, sondern einen Weg zu einem beruflichen Abschluss zu finden, der den Stärken und Fähigkeiten entspricht.

Und auch die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit ist eine Anlaufstelle: Dort kannst du im Falle des Falles unter anderem besprechen, ob eine sogenannte Assistierte Ausbildung (AsA) für dich infrage kommt, bei der dir beispielsweise ein persönlicher Ansprechpartner zur Seite gestellt wird. Und bei Problemen in der Berufsschule stehen dir die dortigen Beratungslehrer als
Ansprechpartner zur Verfügung.

Und wenn das Ausbildungsverhältnis beendet werden soll?
In der Probezeit – die bis zu vier Monate dauern darf – können sowohl Betrieb als auch Azubi jederzeit fristlos ohne Angabe von Gründen kündigen. „Wenn man feststellt, dass man sich doch für den falschen Beruf entschieden hat, ist das ein gutes Instrument, um zu wechseln, ohne viel Zeit zu verlieren“, sagt Bettels.

Fällt die Entscheidung nach der Probezeit, kannst du als Azubi mit einer Frist von vier Wochen kündigen – sofern du in einen anderen Ausbildungsberuf wechselst oder die Ausbildung ganz aufgeben willst. Wenn du dieselbe Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen möchtest, musst du dich hingegen mit dem Ausbildungsbetrieb auf einen Aufhebungsvertrag einigen.

Wie sieht es mit Arbeitslosengeld aus?
Zunächst einmal gilt: Auch bei einer nicht abgeschlossenen Ausbildung muss die Vergütung bis zum letzten Arbeitstag gezahlt werden. Anspruch auf Arbeitslosengeld I hast du als Azubi anschließend, wenn du innerhalb der vergangenen zwei Jahre mindestens ein Jahr lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast. Doch Vorsicht: Geht das vorzeitige Ende der Ausbildung von dir aus, kann die Arbeitsagentur eine Sperre von drei Monaten aussprechen. Am besten informierst du dich deshalb schon vorab, mit welchen finanziellen Konsequenzen zu rechnen ist.

Wie kann es beruflich weitergehen?
Der Abbruch deiner Ausbildung muss nicht das Ende, sondern kann ein wichtiger und richtiger Neustart sein. Am besten gelingt das, wenn du bereits einen Plan B hast – also eine Vorstellung davon, wie es weitergehen kann. Das schon Geleistete wird zudem oft anerkannt. Nicht nur, wenn du denselben Beruf in einem anderen Betrieb weiterlernst. Auch wenn du in einer ähnlichen Branche bleibt, also beispielsweise vom Bäcker- zum Konditorhandwerk wechselst, kannst du dir Gelerntes anrechnen lassen. „Das muss dann im Einzelfall vereinbart werden“, schildert Bettels.

Und auch, wenn es schmerzhaft ist: Es lohnt es sich zu reflektieren, warum der erste Versuch nicht geklappt hat. „Denn das eröffnet die Möglichkeit, gezielt nach einem Unternehmen zu suchen, in dem die Bedingungen besser passen“, so Bettels.

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