Fünf Tipps für künftige Azubis für das erste Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräche können an den Nerven zerren – vor allem, wenn man sie zum allerersten Mal erlebt. Hier fünf Tipps, wie du dich als Bewerber gut auf diese Situation vorbereitest.

Berufserfahrene haben zumeist schon mehrere hinter sich, doch wenn du angehender Azubi oder Berufseinsteiger bist, betrittst du mit einem Vorstellungsgespräch wahrscheinlich Neuland. Klar, dass du dann nervös werden kannst.

Aber keine Sorge: „Dass Azubis keine große Übung bei Vorstellungsgesprächen haben, ist den Interviewenden auf der anderen Seite bekannt“, sagt die Diplom-Psychologin und Karriereberaterin Madeleine Leitner. Personalverantwortliche würden bei deren Performance deshalb auch gewisse Abstriche machen. Dennoch ist es selbstverständlich sinnvoll, dich vorab gut vorzubereiten und zu wissen, worauf du schon vor den ersten Gesprächen achten kannst. Diese Tipps helfen – auch bei Nervosität:

Erfahrungsberichte sammeln
Du hast dein allererstes Vorstellungsgespräch vor dir und bist dir unsicher, was dich überhaupt erwartet? Dann kann es sinnvoll sein, im Umfeld Erfahrungsberichte einzuholen. Frag zum Beispiel Freunde, wie diese mit der Situation umgehen und welche Erfahrungen sie in Vorstellungsgesprächen gemacht haben. Auch deine Eltern oder Lehrer können hierzu oft einiges erzählen. „Azubis stellen also fest: So schlimm, wie man es sich im Kopfkino ausmalt, ist ein Vorstellungsgespräch in aller Regel nicht“, erläutert der Bewerbungs- und Karrierecoach Jürgen Hesse.

Er empfiehlt, sich klarzumachen, dass es in erster Linie um ein gegenseitiges Kennenlernen geht, nicht um eine Wissensprüfung. Und auch wenn du nicht die allerbesten Noten mitbringst, musst du nicht unbedingt zittern. Aus Sicht von Firmen geht es Leitner zufolge heutzutage darum, aus den Bewerbern diejenigen zu identifizieren, die überhaupt das ausreichende Potenzial haben für eine Ausbildung. „Da zählt die Persönlichkeit – also Anstrengungsbereitschaft, Motivation, Auffassungsgabe und Zuverlässigkeit – sicher mehr als die Noten.“

Antworten vorab vorbereiten
„Von Vorteil ist es, sich vorab mit ein paar klassischen Fragen aus Vorstellungsgesprächen zu beschäftigen“, macht Leitner deutlich. Eine davon sei: Was können Sie uns über sich erzählen? Als  Antwort kannst du eine kurze Zusammenfassung deines bisherigen Werdegangs liefern – zum Beispiel Schulabschlüsse, Praktika und ehrenamtliches Engagement – und von deinen Interessen berichten.

Ebenfalls eine häufig gestellte Frage: Warum wollen Sie ausgerechnet bei uns arbeiten? Mach dir hierüber vorab Gedanken. Denn bei dieser Frage geht es vor allem um eines: deine Motivation – und wie glaubwürdig du diese vermittelst.

Nicht auf den letzten Drücker losfahren
Findet das Vorstellungsgespräch vor Ort statt, solltest du für die Anreise großzügig Zeit einplanen. Und das selbst dann, wenn der Weg eigentlich nicht wahnsinnig weit ist: Denn ein baustellen- oder unfallbedingter Stau oder ein Zugausfall kann den Zeitplan gehörig durcheinanderwirbeln.

„Lieber eine Stunde vorher da sein und vor dem Gespräch noch ein bisschen spazieren gehen“, lautet Hesses Tipp. Ein Zuspätkommen lässt sich in aller Regel nur schwer entschuldigen – und wenn man im Zug bangt, ob man es noch rechtzeitig schafft und womöglich dann den Weg zum Unternehmen nicht gleich findet, steigt die Nervosität.

Bei Videointerviews solltest du dich übrigens vorab mit der Technik vertraut machen. Also: Welche Software wird verwendet? Muss vorher etwas installiert werden? Und: Sind Kamera und Mikrofon startklar? Außerdem solltest du dich in diesem Fall in einen neutralen Raum setzen oder einen aufgeräumten, ordentlichen Hintergrund für das Gespräch wählen.

Nervosität ansprechen
Bist du trotz bester Vorbereitung wahnsinnig aufgeregt? Dann scheue dich nicht, diesen Umstand zur Sprache zu bringen. „Das wird dazu führen, dass das Gegenüber noch freundlicher und aufmerksamer ist als zumeist ohnehin schon“, erklärt Hesse, der weiß, in Bewerbungsgesprächen nervös zu sein, sei überhaupt nicht schlimm: „Immerhin ist Aufregung ja eine positive Motivation, die für einen spricht.“

Darüber hinaus solltest du dir klarmachen, dass du den Job nicht unbedingt bekommen musst, sondern dass du dir während des Gesprächs auch ein Bild von deinem potenziellen Arbeitgeber machen kannst. „Man wählt den Arbeitgeber ja auch aus und geht nicht wie das Lamm zur Schlachtbank“, so Leitner. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind im Prinzip Partner – wie bei einer Beziehung. „Das muss für beide funktionieren.“

Auf die Körperhaltung achten
Die Arme verschränkt, die Beine übereinandergeschlagen: Wenn du dich so in einem Vorstellungsgespräch präsentierst, signalisiert das eine gewisse Verschlossenheit. „Hinzu kommt, dass womöglich die Sauerstoffzufuhr für den Körper eingeschränkt ist“, erklärt Hesse. Das könne Unwohlsein befördern.

Besser sei es, sich aufrecht hinzusetzen, beide Beine gerade nebeneinander zu positionieren und die Hände auf den Tisch oder auf den Schoß zu legen. Außerdem von Vorteil: Einen guten Einstieg parat haben, wenn du auf dein Gegenüber triffst. Vorheriges Üben kann nicht schaden: zum Beispiel „Guten Tag“ mit Händeschütteln. Und: „Vielen Dank für die Einladung“.

Wichtig in diesem Moment sei es, dem Gegenüber direkt in die Augen zu blicken, so Leitner. „Ein solcher Einstieg gibt eine gewisse Sicherheit.“ Und zu guter Letzt: Lampenfieber in Form von Nervosität ist zutiefst menschlich. Dabei kommt es auf die Dosis an. „Ein kleiner Schuss Lampenfieber ist gut, weil wir dadurch viel präsenter, aufmerksamer, letztlich also besser sind als in
einer entspannten Feierabendstimmung“, sagt Hesse. In der richtigen Dosis wirke Lampenfieber „wie Doping und macht uns hellwach, konzentriert und präsent“.

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